
An einem klaren Abend stand der zunehmende Mond schon hell am blauen Himmel, während über mir Milane ihre Kreise zogen. Aus diesem Zusammentreffen ist eine kleine Serie entstanden: Greifvögel vor dem Mond. Die dunklen, gegabelten Schwänze sprechen für Schwarzmilane, doch am flirrenden Abendhimmel sind Schwarz- und Rotmilan leicht zu verwechseln.
Es sind diese Zufälle, auf die man nicht planen kann. Ich war eigentlich wegen des Lichts draußen, als der Mond noch vor Einbruch der Dunkelheit über den Bäumen hing, blass und riesig. Und dann kamen sie: Milane, die in weiten Bögen über den Himmel segelten, immer wieder nah am Mond vorbei. Ich hatte nur Sekunden pro Durchgang, in denen Vogel und Mond zusammenfanden.

Ein Tanz aus Vogel und Mond
Was so einfach aussieht, ist reine Geduld. Der Mond steht still, der Vogel nicht. Man verfolgt den Milan durch den Sucher, schätzt seine Linie und drückt in dem Moment ab, in dem beide auf einer Höhe sind. Neun von zehn Versuchen landen daneben. Aber der eine, der passt, entschädigt für alles.

Segelflieger mit Gabelschwanz
Milane gehören zu den elegantesten Fliegern unseres Himmels. Mit ihren langen, angewinkelten Flügeln und dem charakteristisch gegabelten Schwanz segeln sie fast mühelos, während sie den Schwanz wie ein Ruder verdrehen, um jede Böe zu nutzen. Genau dieser Gabelschwanz ist ihr Erkennungszeichen, wenn sie hoch über einem kreisen.
- GruppeMilane, Greifvögel (Accipitridae)
- Kennzeichengegabelter Schwanz, lange schmale Flügel
- Flugbildeleganter, kreisender Segelflug
- NahrungAas, Fische, kleine Tiere
- Wannhier am frühen Abendhimmel im Frühsommer
- VerwechslungSchwarz- und Rotmilan von unten ähnlich
Mehr zu diesen Greifvögeln findest du im Arten-Katalog beim Rotmilan und in meinem Arten-Überblick.
Warum solche Momente selten sind
Damit Mond und Greifvogel zusammenkommen, muss vieles stimmen: ein sichtbarer Mond noch bei Tageslicht, ein klarer Himmel und Vögel, die genau dort ihre Runden drehen. Solche Konstellationen dauern oft nur Minuten. Man muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein und trotzdem bereit, mit leeren Händen nach Hause zu gehen. An diesem Abend hat es gepasst.

Für mich ist diese kleine Serie ein Sinnbild dafür, worum es mir bei der Naturfotografie geht: hinschauen, warten und den flüchtigen Augenblick festhalten, in dem sich Himmel und Leben für einen Wimpernschlag berühren. Noch mehr Vögel und Wildtiere vor der Linse findest du in meinen weiteren Fotoprojekten und Stories.